1. Blogbeitrag zur Serie
Dieser Beitrag ist Teil unserer Blogserie „Medizinische Notfälle in der Praxis“, in der wir typische Situationen und Herausforderungen aus dem Trainingsalltag beleuchten.
Häufige Fehler im medizinischen Notfall – und warum sie passieren
Blogserie: Medizinische Notfälle in der Praxis
Medizinische Notfälle sind in Arzt- und Zahnarztpraxen selten.
Doch wenn sie auftreten, müssen Entscheidungen schnell, klar und im Team getroffen werden.
In unserer fünfteiligen Blogserie werfen wir einen praxisnahen Blick auf
genau diese Situationen:
- typische Fehler im medizinischen Notfall
- klare Rollen und strukturierte Abläufe
- den Umgang mit Stress im Team
- die Bedeutung von Simulationstraining
- realistische Notfallszenarien aus dem Praxisalltag
Alle Beiträge basieren auf Erfahrungen aus praxisnahen Notfall- und Simulationstrainings in Arzt- und Zahnarztpraxen sowie medizinischen
Einrichtungen. Sie richten sich an Praxisteams, die ihre
Handlungssicherheit im medizinischen Notfall nachhaltig
verbessern möchten.
Medizinische Notfälle: selten – aber immer Verantwortung
Medizinische Notfälle gehören nicht zum Alltag jeder Praxis.
Aber sie gehören zur Verantwortung jeder Praxis.
In unseren Trainings erleben wir immer wieder:
Notfälle scheitern selten daran, dass „niemand etwas weiß“.
Viel häufiger scheitern sie daran, wie Wissen, Abläufe und Teamarbeit im entscheidenden Moment zusammenkommen.
Dieser erste Beitrag unserer Blogserie beleuchtet typische Fehler, die im medizinischen Notfall auftreten können –
nicht als Vorwurf, sondern als realistische Beobachtung aus dem Praxisalltag.
Fehler 1: Unklare Rollen im Team
Einer der häufigsten Punkte, die wir in Notfallsimulationen beobachten, ist eine fehlende oder unklare Rollenverteilung.
Typische Fragen im Ernstfall sind:
- Wer übernimmt die Führung?
- Wer alarmiert den Rettungsdienst?
- Wer bereitet Medikamente oder Sauerstoff vor?
- Wer dokumentiert das Geschehen?
Bleiben diese Fragen unbeantwortet, entsteht Chaos:
Mehrere Personen kümmern sich um dieselbe Aufgabe –
während andere, ebenso wichtige Aufgaben liegen bleiben.
Der Fehler liegt dabei nicht im Team,
sondern darin, dass Rollen häufig nie klar festgelegt oder gemeinsam geübt wurden.
Fehler 2: Verzögerungen durch Unsicherheit
Viele medizinische Notfälle beginnen nicht dramatisch, sondern schleichend.
Gerade diese Situationen sind besonders gefährlich.
Typische Gedanken, die wir immer wieder hören:
- „Ist das schon ein Notfall?“
- „Wir beobachten noch kurz.“
- „Vielleicht beruhigt es sich von allein.“
Diese Unsicherheit kostet Zeit.
Und Zeit ist im medizinischen Notfall ein entscheidender Faktor.
In Trainings zeigt sich deutlich:
Je klarer Entscheidungswege und Kriterien im Vorfeld definiert sind,
desto schneller und sicherer wird gehandelt.
Fehler 3: Fehlende Routine im Umgang mit Notfallequipment
In den meisten Praxen ist das notwendige Notfallequipment vorhanden:
Notfallkoffer, Sauerstoff, Absaugung oder AED.
Im Ernstfall zeigt sich jedoch häufig:
- Handgriffe sind ungewohnt
- die letzte Nutzung liegt lange zurück
- Zuständigkeiten für Kontrolle und Wartung sind unklar
Der Fehler ist selten das fehlende Material.
Der Fehler ist die fehlende Routine im Umgang damit.
Routine entsteht nicht durch theoretisches Wissen –
sondern durch regelmäßiges, praxisnahes Üben.
Fehler 4: Kommunikation unter Stress
Stress verändert Kommunikation.
Das erleben wir in nahezu jeder Simulation.
Unter Stress wird:
- leiser gesprochen oder durcheinandergeredet
- Anweisungen werden unklar formuliert
- Rückmeldungen bleiben aus
- wichtige Informationen gehen verloren
Gerade hier zeigt sich, wie wichtig strukturierte Kommunikation ist –
und dass sie trainiert werden muss, um auch unter Stress zu funktionieren.
Warum diese Fehler völlig normal sind
Diese Fehler sind kein Zeichen von Unfähigkeit.
Sie entstehen, weil medizinische Notfälle selten sind
und der Praxisalltag ganz andere Anforderungen stellt.
Ohne regelmäßige, praxisnahe Vorbereitung greifen Teams im Ernstfall auf Improvisation zurück.
Und Improvisation funktioniert unter Stress nur begrenzt.
Ausblick auf die nächsten Beiträge
In den kommenden Artikeln dieser Blogserie werden wir unter anderem darauf eingehen:
- wie klare Rollen im Praxisteam definiert werden können
- warum Simulationstraining einen entscheidenden Unterschied macht
- wie Stress Entscheidungen beeinflusst
- welche Abläufe sich im Praxisalltag bewährt haben
Immer mit dem Fokus auf reale Situationen aus Trainings –
nicht theoretisch, sondern alltagsnah.
Fazit
Medizinische Notfälle lassen sich nicht planen.
Die Reaktion darauf schon.
Je klarer Abläufe, Rollen und Kommunikation vorbereitet sind,
desto sicherer handelt ein Team – auch in ungewohnten Situationen.
Hinweis aus dem Trainingsalltag
Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf Erfahrungen aus praxisnahen Notfall- und Simulationstrainings in Arzt- und Zahnarztpraxen sowie medizinischen Einrichtungen.
Im nächsten Beitrag zeigen wir, wie klare Rollen und strukturierte Abläufe im Praxisteam konkret aussehen können – und warum sie im Notfall entscheidend sind.
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